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Liebe Landsleute aus Hahnbach, liebe Freunde und Besucher unserer Homepage,

wir wünschen Euch allen ein frohes und besinnliches Osterfest!

 

 

 


Leider sind die christlichen Feiertage in unserer neuen Heimat stark von Kommerz und Konsum geprägt, so auch an Ostern.
So ist es üblich, dass der Einzelhandel bereits Monate vor Ostern sein Sortiment, seine Dekoration und seine Werbung auf Ostern ausrichtet. Bereits nach Fasching wird man allerorts in den Läden mit bunten Ostereiern und sonstiger Osterdekoration "beglückt".

Dies ist schade und ärgerlich, denn diese Reizüberflutung verdirbt einem die Freude auf das eigentliche Fest. Wenn man bereits seit Mitte Februar überall die bunten Ostereier sieht, so kann man oft die Ostereier zum Fest selber schon nicht mehr sehen, bzw. nimmt sie nicht mehr als was Besonderes, wahr.

So sehr Ostern hierzulande von Kommerz geprägt ist, so sehr war Ostern in unserem Heimatdorf Hahnbach in Siebenbürgen, von unserem dortigen "naturnahen" Leben und der Tradition geprägt.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal erinnern, wie das Osterfest bei uns in Hahnbach gefeiert wurde:

Am Osterfest hatte insbesondere die Jugend Ihre Freude an einem Brauch den man „Bespritzen" nannte. Am frühen Morgen des Ostersonntages trafen sich die Burschen in der Ortsmitte. Von hier aus starteten sie IMG_0010gemeinsam, singend und begleitet von einem Musikanten auf dem Akkordeon, zum nächstwohnenden Mädchen und bespritzten dieser die Haare mit Parfüm. Dann wurde Gebäck serviert und ein Glas Wein getrunken und der restliche Wein wurde in einen Glaskrug geschüttet, den die zwei jüngsten Knechte tragen mussten. So ging es reihum im ganzen Dorf zu allen konfirmierten „Maiden" (=Mundart). Zum Abschluss ging man zum Pfarrhaus um auch die Pfarrfrau (Frau Muetter = Mundart) und falls vorhanden auch die Töchter mit Parfüm zu bespritzen. Die Kinder und Jugendlichen die noch nicht konfirmiert waren gingen einzeln oder in kleinen Gruppen zu den Omas, Tanten und Taufpatinnen zum bespritzen. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren wurde das Parfüm selbst hergestellt, da man kein Geld zum Parfüm kaufen hatte. Man nahm dazu frisch blühende Veilchen und übergoss diese mit Wasser. Nach ein paar Tagen duftete das Wasser und dies füllte man dann in Fläschchen ab. Es hatte einen angenehmen Geruch und diente als Mittel zum Zweck.

Nach dem Ostergottesdienst war es in Hahnbach Brauch den Pfarrer von der Kirche zum Pfarrhof zu begleiten. IMG_0018Da ging die ganze Kirchengemeinde mit, begleitet von der Blaskapelle. Bei Sonnenschein glänzten die Bänder, Schürzen und Gürtel der Mädchentracht in die Wette mit den Instrumenten der Adjuvanten. Im Pfarrhof angekommen hielt der Kirchenkurator eine Ansprache und wünschte Frohe Ostern. Der Pfarrer bedankte sich für die Begleitung und wünschte auch Frohe Ostern. Den Kindern wurden Päckchen überreicht, früher war es mal eine „Bichel" (= Mundart für Breze). Am Nachmittag war noch mal Gottesdienst, die so genannte „Vesper". Hier trugen alle Jungen ein Gedicht (Osterpredigt) vor. Es begann der Älteste der Kinder und dann folgte der Jüngste, oft noch aus dem Kindergartenalter und so ging es durch bis zum Größten und dann betete der zweitälteste zusammen mit der Gemeinde das Vaterunser. Die Osterpredigten der Kinder wurden von den Müttern ausgesucht und hatten als Inhalt die Auferstehung Christi.

Nach dem Vespergottesdienst war Tanz und die neu konfirmierten Mädchen trugen zum ersten Mal ihre Tracht die neu angefertigt wurde oder auch von der Mutter oder Großmutter stammte. Ringsum im Saal waren zwei oder drei Reihen mit Bänken im Saal aufgestellt. Hier nahmen die Mütter, Großmütter und Tanten Platz um wie bei allen Tanzveranstaltungen zu begutachteten, natürlich auch wer mit wem am meisten getanzt hatte.

Anbei ein paar Gedanken zum Osterfest in Siebenbürgen, von Hartmut Gross (aus Siebenbürgen - nicht aus Hahnbach)

Wisst ihr noch, wie es damals zu Ostern war?

Früher ging Mann „Mädchen bespritzen“,
heute reicht es, zusammen zu sitzen,
beim virtuellen Kaffe oder Tee,
weil man sich wieder gefunden hat,

Die Lieder, die man in Kindheit und Jugend gesungen,
haben laut durch Feld und Wald geklungen …
Im Frühjahr ging man „Pålmitzker“ pflücken
Um damit die „Osterstube“ zu schmücken.

Baute ein Nest aus Moos und Gras,
war froh, dass man die Welt um sich vergas.
Man glaubte an den Osterhasen
und stellte Blumen in die Vasen …

Nachmittags war das Haus voller Gäste,
man feierte gemütlich das Osterfeste.
Männer gingen von Haus zu Haus,
denn man gab ihnen einen „Pali“ aus.

Man bot auch an selbst gemachten Eierlikör,
häufig passierte dann ein Malheur.
Viel „gemischtes“ im Bauch verschwand
und man sich ordentlich betrank.

Man war vergnügt und lustig wenige Stunden,
hatte trotzdem sein Seelenheil gefunden.
Man war zufrieden, so wie es war,
weil man nichts anderes kannte, na klar.

Nun höre ich auf mit diesem Reimen,
wenn auch weitere Gedanken keimen,
in meinen grauen Zellen, meinem Hirn,
weil ich von dem Schreiben müde worden bin.
Denke oft an diese Zeit, wo man,
den Brauch noch feste hielt.
Da war man daheim.

 
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